Zeit-Geist




Zusammenfassung


Zeit minus Geist = Zeitgeist!?

Haben Sie, nur so zum Zeitvertreib, mal wieder geistlos die Zeit vertrieben? Tja, die kommt so bald nicht wieder, und jetzt haben Sie das Nachsehen! Probieren Sie doch mal unsere Extra-Zeitscheiben aus - bunt und schrill! Zu Risiken und Nebelwirkungen gibt's keine Packungsbeilage...

Zeitsucht hat der, der die Zeit sucht. Dabei sparen Sie doch an allen Ecken und Enden des gekrümmten Raums so viel Zeit! Nur: Wo geht sie hin? Vergammelt sie zinslos auf Ihrem Zeitkonto oder investieren Sie sie wieder? Innerer und äußerer Frieden brauchen Langsamzeit - Unfrieden entsteht nur durch Zeitdruck. Wo löst sich der, wo liegt die Lösung aller Zeit-Fragen? Theater IrrReal ist diesem Geheimnis rechtzeitig auf der Spur, und zwar scheibchenweise ...




Presse-Echo (Augsburger Allgemeine 17.5.2005)

Zeitsalat mit Löchern

Theater "IrrReal" gibt neues Stück in der Goldenen Gans

(gwen). Gerhard Polt hatte vor 15 Jahren in-seinem Film "Herr Ober" philosophiert, dass Zeit mal Brot gleich Brotzeit wäre. Auf eine ernstere Ebene wollte es da die Theatergruppe "IrrReal" heben. Zeit minus Geist ergibt Zeitgeist. Die Premiere ihres Stückes "Zeit-Geist" auf der Bühne der derzeit als Kunstraum genutzten ehemaligen Brauerei Zur Goldenen Gans konnte diesen verheißungsvollen Ansatz leider nicht ganz einlösen.

Nicht zuletzt die Zeit selbst ist den Machern der Theatercollage am Ende ein wenig aus dem Ruder geraten. Wobei hier nicht die Gesamtzeit intensiv zu Buche schlug, vielmehr die Spahnungssuche innerhalb der gebotenen Spielzeit. Dem Spannungsabfall könnten Striche vor allem im zweiten Teil der "Parallelwelten" und bei der Schlusssequenz entgegentreten. Das nicht zeitgebundene Motto sollte lauten: ein wenig mehr Spiel, etwas weniger Text. Da die Autoren Bernhard Möller (auch Regie), Wilfried Nann und Stefan Wagenseil ihren Text eine Collage nennen, sollte man den sich selbst weiterspinnenden Handlungsstrang nicht unbedingt suchen. Doch wird auch keine kontinuierliche Handlung erwartet, obgleich sie im Ansatz angelegt war. So muss jedes Einzelbild in sich nachvollziehbar und dechiffrierbar sein, auch wenn es noch so surreal gestaltet sein mag.

Die Grundidee ist witzig und stimmig: Zeit ist heutzutage Mangelware, doch Zeitdruck stiftet Unfrieden. Wie schön also, dass es die Metzgerei Zeitlhack gibt, in der man Zeitbein, Zeitaufschnitt, Zeitsalat mit schwarzen Löchern kaufen kann. "IrrReal" macht sich mit grotesken Mitteln auf diese Suche nach der verlorenen Zeit und der Langsamkeit. Denn Hektik bringt Unglück und Unfrieden, wie es in einem gut dargebotenen Song heißt. "Hektik, Hektik. Tickst du noch ganz richtig? Zuviel Takt ist doch beknackt, weil dich der Takt ganz zerhackt."
Am Bändel haben die Spiel vom Theater IrrReal
in ihrem neuen Stück die Zeit.   Bild: Bieler


Surreale Requisiten

Einsatz oft surrealer Requisiten und absurder Theatermittel wie sprechende Seile gefällt sehr. Die durchweg überzeugenden Mimen hatten es nicht leicht. Premieren-Lampenfieber stieß auf arg kühle Temperaturen im Raum. Womöglich nicht zuletzt wegen drohender Gefahr von Frostbeulen und Eisbeinen hatte sich der Raum zur Pause dramatisch geleert. Doch die knapp ein Dutzend starke Truppe trotzte der frostigen Luft und schlüpfte in eine Vielzahl unterschiedlichster Rollen. Dabei gefielen besonders Gina Meynen und Susanne Unger.

© Bernhard Möller, Oktober 2005